Häusliche Krankenpflege P. Noffke

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Technische Hilfen für Demenzkranke


Technik und Demenz scheinen auf den ersten Blick wie zwei Begriffe, die nichts miteinander zu tun haben. Technik und ihr Einsatz verlangt einen logisch funktionierenden Verstand. Aber bei der Alzheimer-Krankheit und andren Demenzkrankungen, haben wir es ja gerade mit Reinbußen und Fehlleistungen des Verstandes zu tun. Um leichter mit den Fehlleistungen leben zu können, sind technische Hilfsmittel denkbar. Richtig eingesetzt können sie Demenzkranken helfen, eigene Unsicherheiten zu mindern und Ängste abzubauen. Der Einsatz von Technik kann die Betreuenden entlasten und emotionale und zeitliche Freiräume schaffen, die wiederum den Kranken zu gute kommen können.
Oberste Maxime muss immer sein:
Technische Hilfsmittel dürfen unter keinen Umständen einen Ersatz für die persönliche Betreuung und Zuwendung darstellen.

Folgende Bereiche sind für den Einsatz von unterstützender Technik denkbar:

Sicherheit in der eigenen Wohnung
Zur Erhöhung der Sicherheit in der eigenen Wohnung können eine ganze Reihe von technischen Lösungen eingesetzt werden:
• Herdsicherung. Eine Sicherung schaltet bei Gefahr (Überhitzung) oder nach einer bestimmten Zeit selbstständig den Herd aus. Der Herd kann erst nach Rückstellung der Sicherung oder ganz normal nach Ablauf einer Sicherheitspause wieder eingeschaltet werden.
• Rauchmelder. Die Sensoren werden auf eine Zentrale geschaltet, deren Personal entweder Alarm auslöst oder selbst eine Überprüfung von Situation und Gefahrenpotential vornimmt.
• Bewegungsmelder. Sie dienen beispielsweise nachts zur automatischen Beleuchtung, oder als Lebenszeichensignale (gegebenenfalls mit Zeitkontrolle) oder zur Umgebungssteuerung.
• Sturzsensoren. Neu entwickelte, sogenannte intelligente Sensoren werden am Körper getragen und können mit Stürzen verbundene Unfälle melden (Alarm erfolgt beispielsweise nur, wenn ein „echter“ Sturz stattfindet oder wenn die gestürzte Person nicht gleich wieder aufsteht).
• "Intelligentes Haus" oder „Smart Home“. Man versteht hierunter die Vernetzung verschiedener Sicherheits- und Umgebungssteuerungstechniken in einer Wohnung oder in einem Haus. Im Betreuten Wohnen kann diese Vernetzung besonders sinnvoll eingesetzt werden, da sie in der Regel mit Kommunikationsmöglichkeiten zu einer Zentrale verbunden werden kann und entsprechend vielfältige Einsatzmöglichkeiten bestehen.

Orientierung in der eigenen Wohnung
Eine frühe Begleiterscheinung der Demenzerkrankungen ist eine wachsende Orientierungslosigkeit. Zur Unterstützung in den frühen Stadien der Erkrankung sind folgende Möglichkeiten denkbar:
• Farbgebung innerhalb des Hauses als optische Orientierungshilfe.
• Sensorgesteuerte akustische Signale. Diese können je nach Technik beispielsweise auch zeit- und/oder bewohnerspezifisch geschaltet werden, um ihre allgemeine Akzeptanz innerhalb des Hauses zu erhöhen.
• Sensorgesteuerte Lichtsignale (z.B. Leuchtstreifen). Auch hier ist eine zeit- und/oder bewohnerspezifische Schaltung möglich.

Nächtliches Verlassen der Wohnung
Bei vielen Alzheimerkranken treten Veränderungen des Tag-Nacht-Rhythmus auf, die dazu führen können, dass die erkrankten Bewohner nachts im Haus oder auch außerhalb unterwegs sind. Die Veränderungen selbst können durch technische Lösungen nicht rückgängig, damit verbundene Begleiterscheinungen jedoch abgeschwächt werden:
• Zeitgesteuerte Türsensoren ermöglichen schnelle Reaktionen von Betreuungspersonen.
• Zeitgesteuerte optische und akustische Signale können bei der Orientierung helfen und nicht nur auf bestimmte Zeiten, sondern auch auf bestimmte Personen begrenzt werden.
• Im Bedarfsfall können chipgesteuerte Schlösser individuelle, temporäre Barrieren aufbauen.

Nach-Hause-Finden
Die Orientierungsschwierigkeiten von Demenzkranken, die nicht mehr den Weg nach Hause finden, gehören zu den markantesten Begleiterscheinungen der Erkrankung. Sie rufen bei den Angehörigen große Beunruhigung hervor und stellen gleichzeitig betreuende Personen und Institutionen vor große organisatorische, rechtliche und ethische Probleme. Seit einiger Zeit gibt es als Alternative zu den herkömmlichen, massiv freiheitsentziehenden Maßnahmen nun verschiedene technische Lösungen, die für Angehörige und Betreuende eine Hilfe darstellen können:
• Signalsysteme. Sie zeigen das Verlassen eines bestimmten Bereiches an und ersetzen physische Barrieren. Die dafür notwendigen Chips tragen die betroffenen Personen bei sich (z.B. im Schuh, als Armband). Derartige Chips sind auch für „Schlüsselsysteme ohne Schlüssel“ geeignet und können damit Probleme wie offen stehende Eingangstüren oder wiederholt verlorene Schlüssel lösen.
• Ortungssysteme. Mit ihrer Hilfe können im Notfall vermisste Personen aufgefunden werden. Auch hier tragen die gefährdeten Personen in der Regel einen Chip bei sich. Eine mögliche Alternative sind programmierte Mobiltelefone, da Handys heute bereits grundsätzlich regional geortet werden können.

Diese vier Bereiche und diese wenigen Technikbeispiele sollen nur einen ersten Überblick darüber geben, was an technischer Unterstützung möglich ist. Grundsätzlich ist immer zu berücksichtigen, dass ein selbstständiges Wohnen auch beim Einsatz solcher Technik nur bis zu einem bestimmten Krankheitsstadium sinnvoll und möglich ist. Es darf aber auch nicht übersehen werden, dass der Umgang mit Demenzkranken bereits heute eines der zentralen Themen für die Weiterentwicklung des Konzepts Betreutes Wohnen darstellt und in vielen Häusern immense organisatorische Probleme aufwirft. Diese Probleme werden aufgrund der demographischen Entwicklung noch allgemein anwachsen und zukünftig besonders die heute noch neuen Angebote des Betreuten Wohnens betreffen, sobald deren beim Einzug zunächst noch rüstigen Bewohner nach einigen Jahren gemeinsamen Alters immer häufiger an Demenz erkranken. Spätestens in dem Moment, in dem mehrere Bewohner an Demenzerkrankungen leiden, wissen sich viele Betreuungsträger nicht anders zu helfen, als auf einen möglichst schnellen Eintritt in ein Pflegeheim mit stationärer Versorgung hinzuwirken.
Schriftenreihe der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V., 4. Technische Hilfen für Demenzkranke, Seiten 41-44


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