Eine aktuelle Untersuchung zur Akzeptanz der gesetzlichen Pflegeversicherung zeigt: Die Mehrheit
der Versicherten ist mit dem Versicherungsschutz und dem Leistungsumfang der Pflegeversicherung
unzufrieden.
Das wissenschaftliche Institut der AOK, WidO, hat in seiner jüngsten repräsentativen Umfrage
insgesamt 3 000 Versicherte zur Akzeptanz der gesetzlichen Pflegeversicherung befragt. Rund ein
Drittel dieser Befragten gab an, im Verwandten- oder Bekanntenkreis Erfahrungen mit
der Pflegeversicherung gesammelt zu haben. 6,3 Prozent der Versicherten gaben an, dass in ihrem
Haushalt jemand pflegebedürftig ist, der von einem anderen Haushaltsmitglied gepflegt wird.
Ein Ziel der Befragung war es festzustellen, wie sich die Akzeptanz der Pflegeversicherung zehn
Jahre nach ihre Einführung bei den Versicherten darstellt. Aktuell reagieren die Versicherten auf
die Feststellung „Die Einführung der Pflegeversicherung hat sich bewährt“ insgesamt eher positiv:
Fast 40 Prozent der 2361 Befragten, die hierzu eine Meinung haben, stimmen dieser Aussage zu und
nur ein Fünftel (20,7 %) ist gegenteiliger Auffassung. Eine Erhebung aus dem Jahr 2002 zeigte bei
gleicher Fragestellung allerdings noch höhere Zustimmungswerte. Damals konnte sich knapp die Hälfte
der Befragten (48,4 %) mit der Aussage identifizieren.
Der Versicherungsschutz der Pflegeversicherung wird von der Mehrheit eher kritisch beurteilt.
Von den 2382 Versicherten, die eine Angabe machen konnte, sind nur 20,7 % der Auffassung, dass
die Pflegeversicherung einen ausreichenden Versicherungsschutz bietet, 44,9 % sind gegenteiliger
Ansicht. Bei denjenigen, die im eigenen Haushalt einen Angehörigen pflegen, ist der zustimmende
Anteil (29,9 %) wieder höher als im Durchschnitt.
Die Bewertung des gewährten Leistungsumfangs zeigt bei den 2173 Befragten, die eine Angabe hierzu
gemacht haben, dass mehr als die Hälfte die Leistungsbereitschaft der Pflegeversicherung eher
kritisch einschätzen. Nur 15,8 % der Befragten sehen bei der Leistungsbewilligung durch die
Pflegeversicherung keine zu große Zurückhaltung.
Bei aller Vorsicht hinsichtlich der Interpretationsfähigkeit von Umfragedaten: Eine
Beitragssatzerhöhung bei der gesetzlichen Pflegeversicherung wird seitens der Versicherten nicht
grundsätzlich abgelehnt. Mehr als jeder Dritte (38,6 %) stimmt der Aussage zu, dass bei einer
Erweiterung des Leistungsangebots der Pflegeversicherung auch der Preis steigen dürfe.
Die seit Januar 2005 geltende Beitragserhöhung für kinderlose Mitglieder wird von den Betroffenen
mehrheitlich abgelehnt: 70 % derer, die jetzt mehr bezahlen müssen, bewerten die Neuregelung als
ungerecht.