Kommunikationsprobleme sind bei der Pflege von Migranten alltäglich. Die Sprachfremdheit schafft
Missverständnisse und Führt manchmal sogar zur Isolation der Patienten. Sie tritt am häufigsten bei
Patienten auf, die erst kurz in Deutschland sind. Daraus kann es dann im Umgang mit Patienten aus
anderen Kulturkreisen durch Fehlinterpretation von Information und falsch verstandene Erklärungen
zu Missverständnissen kommen.
Hinzu kommt der verschiedenartige Kulturelle Hintergrund: Unterschiedliche Ausdrucksformen von
Schmerz und ein anderes Religionsverständnis führen immer wieder zu Vorurteilen und Konflikten.
Die nonverbale Kommunikation stellt häufig in Bezug auf Schmerz ein Problem dar. Migranten verleihen
ihrem Schmerzen in einer Weise Ausdruck, der ihre Umwelt veranlassen soll, ihnen zu helfen.
Die Äußerungen sind häufig metaphorisch geprägt. Dies setzt jedoch voraus, dass der Empfänger der
Botschaft (Pflegepersonal) diese versteht oder im Fall des Unverständnisses die Gesten und Worte
nicht abwertet.
Viele Migranten haben ein anderes Krankheitsverständnis, als das naturwissenschaftliche, welches
in Deutschland vorherrscht. So stehen Schmerzen für Migranten der ersten Generation in Verbindung
mit Krankheit. Fehlen die Schmerzen, ist die Krankheit schwerer zu verstehen. Im magisch-religiösen
Krankheitsbild wird die Meinung vertreten, dass die Ursachen von Krankheiten nicht im Körper zu
suchen, sondern zum Beispiel eine Strafe Gottes sind oder durch Verhexung oder dämonische Mächte
ausgelöst werden.
Zur Behandlung von Krankheiten werden Heiler (Hocas) zu Rate gezogen oder Schutzmaßnahmen ergriffen.
Des Weiteren kann die Kultur das Verhalten dahingehend prägen, dass sich der Kranke völlig passiv
verhält.
Es entstehen dann Situationen, in denen der Patient nicht mitmacht. Kommen solche Situationen
häufiger vor, können bei Pflegenden Burn out-Syndrome hervorgerufen werden. Auch entwickeln
sich aus solchen Situationen Ethnozentrismus oder Rassismus.
Die Betreuung des Patienten durch die Familie hat einen hohen Stellenwert. Für Moslems ist es sogar
eine religiöse Pflicht, Krankenbesuche zu machen und für Kranke zu sorgen. Es ist meinst bei
den Mitarbeitern in deutschen Krankenhäusern nicht bekannt, dass Hilfe und Pflege von
Gruppenmitgliedern eine große Bedeutung haben.
Aus Kommunikationsproblemen können Missverständnisse resultieren. Daraus können Verhaltensweisen
wie Gereiztheit Resignation und Unsicherheit entstehen. Dies beeinträchtigt die Beziehung zum
Patienten massiv. Es ist daher wichtig, Pflegende zu sensibilisieren und Ressourcen wie
Kommunikationshilfsmittel frühzeitig einzusetzen. Dolmetscher, Neugier und die Bereitschaft,
sich auf den Fremden Gegenüber einzustellen sind Lösungen, um das gegenseitige Verständnis zu
erhöhen und Barrieren zwischen Pflegenden und Migranten zu überwinden.
Fazit
Im Umgang mit Migranten geht es nicht allein darum, die Sprachbarriere zu überwinden. Wichtig ist
zudem das Verständnis für die Angst der Patienten, nichts zu verstehen und nicht verstanden
zu werden. Mit der vorliegenden Arbeit sollen Berührungsangst genommen und Interesse und Neugier
an der eigenen und anderen Kulturen geweckt werden. Pflegende sollten ihren Standpunkt in Bezug
auf die Kulturen überprüfen. Generell muss nicht alles abgelehnt oder toleriert werden.
Pflegekräfte sollten jedoch in der Lage sein, Abweichungen zu erkennen und bewerten,
um situationsgerecht zu handeln.
Die Schwester Der Pflege 43. Jahrg. 7/04, Seiten 490-493