Häusliche Krankenpflege P. Noffke

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 Multikulti in der Pflege


Die Migranten haben nun auch ein Alter erreicht, indem die Symptome des Älterwerdens bemerkbar werden. Während sie aus der Tradition heraus ihre Pflegebedürftigen Mütter und Väter noch selbst betreut und gepflegt hatten, können sie sich selbst nicht mehr ganz auf die Hilfe ihrer Kinder und Enkelkinder verlassen.
Denn in der zweiten und dritten Generation von Migranten sind oftmals auch Mann und Frau berufstätig und somit nicht mehr in der Lage, der Pflege und Betreuung der Eltern völlig nachzukommen.

Anteil pflegebedürftiger Migranten/Innen steigt. Dies hat nunmehr zu Folge, dass Dienstleister im Gesundheitswesen, und hier besonders Pflegedienste, dem „Anderssein“ mehr Interesse schenken müssen: Einsatz und Entwicklung einer Kulturkompetenten Pflege ist somit unumgänglich.

Die Kultursensibilisierung und somit die Entwicklung einer Kulturkompetenten Pflege mag sicherlich interessant sein und einen großen Vorteil für Kunde und Pflegedienst haben, doch ist dies für Pflegedienste derzeit finanziell nicht tragbar. Daher werden wir als „türkischer“ ambulanter Pflegedienst versuchen, Ihnen unsere Erfahrungen mit Migranten/Innen (in unserem fall Türken) zu vermitteln.
Im Kontakt mit anderer Kultur sind unseres Erachtens folgende Aspekte zu berücksichtigen:
1. Der kulturelle Aspekt
2. Der sprachliche Aspekt
3. Der religiöse

Der kulturelle Aspekt Im Fall der Beziehung zur türkischen Kultur und deren Patienten, haben wir versucht unsere deutschen Mitarbeiter in folgenden Punkten zu sensibilisieren:
• Beim Betreten der wohnung sollten die Schuhe ausgezogen werden. Viele unsere türkischen Patienten bestehen darauf, und stellen sogar speziell für die Mitarbeiter Hausschuhe bereit.
• Die Essgewohnheiten tendieren dazu, dass warme Küche zum Abendbrot, nebst mittags, nicht außergewöhnlich ist und Zeiten für die Mahlzeit meistens nicht fixiert sind.
• Die Beziehung zwischen Mann und Frau ist sehr sensibel. Daher kommt er vor, dass Patienten eine Differenzierung des Geschlechts vornehmen, was auch teilweise zum Ablehnen des anderen Geschlechts und somit auch der Versorgung führt.
• Erledigungen außerhalb der Pflege wie Telefonate, Übersetzungen, Bestellungen werden als natürliches „Muss“ angesehen. Dies ist auch eine wichtige kulturelle Perspektive, mit der unsere Mitarbeiter teilweise nicht klar kamen.

 Der sprachliche Aspekt

Trotz des Integrationsversuches der deutschen Regierung können wir feststellen, dass ein großer Teil der türkischen Migranten/Innen aus der ersten Generation der deutschen Sprache nicht mächtig ist. Hierbei fällt folgendes auf: Dieser Anteil liegt bei den Frauen höher als bei den Männern. Daher erleben wir es öfter, dass unsere Mitarbeiter mit männlichen Migranten besser kommunizieren als mit weiblichen.
Wir versuchen deshalb unseren Mitarbeiter gängige Fachbegriffe aus dem Türkischen, die im rahmen der Pflege eingesetzt werden, zu vermitteln. Dies wird von den türkischen Patienten sehr positiv begrüßt und sie fühlen sich somit in ihrer Identität akzeptiert und ernstgenommen.

 Der religiöse Aspekt

Das religiöse „Anderssein“ ist ein sehr sensibler Ansatz im Umgang mit türkischen Migranten. Hier spielt als Beispiel der Körperkontakt eine entscheidende Rolle.
Gläubige Muslime reichen als Beispiel dem anderen Geschlecht nicht die Hand, was zu Fehldeutungen führen und die Beziehung zwischen Patient und Pfleger/In negativ beeinflussen kann. Daher sind Mitarbeiter im Umgang mit türkischen Patienten an dieser Stelle besonders zu sensibilisieren. Weiterhin haben muslimische Feiertage, Feste (z.B. der Monat „Ramadan“) auch einen Einfluss auf den pflegerischen Ablauf. In der Fastenzeit kommt es oft vor, dass Abendeinsätze völlig umgeplant oder Patienten bei Angehörigen angefahren werden müssen. Dies führt teilweise zu „Leerläufen“ in der Pflege, wird aber von Mitarbeitern, die mit dem Sachverhalt vertraut sind, kompensiert.
An dieser kurzen Darstellung der „Problematiken“ im Umgang mit Migranten/Innen in der ambulanten Pflege wird deutlich, wie wichtig es ist neben der Biografie des Patienten auch seine Kultur zu studieren.
Der Aufbau einer gesunden Beziehung zu den Angehörigen ist hier von besonderer Bedeutung. Denn wenn Sie in Ihrem Pflegedienst kein „ausländisches“ Pflegepersonal haben, sind die Angehörigen die wichtigste Quelle für eine gute Kommunikation zwischen Patient und Pflegedienst.
Daher wäre es auch zu begrüßen, wenn angehendes Pflegefachpersonal schon während seiner Ausbildung für die andere Kultur sensibilisiert wird.
Ambulanter Pflegedienst Aydin / Am Puls, No. 11 November 2004, Seiten 4-5


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