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Kassenbereich zu eng, Bordsteine zu hoch
Schüler der Bettine-Arnim-Schule mit Rollstuhl unterwegs
Langenfeld. Sind Ihnen in den vergangenen Tagen auch vermehrt junge Rollstuhlfahrer im
Langenfelder Stadtgebiet aufgefallen?
Kein Wunder. Denn Schüler der Jahrgangsstufe 12 der Bettine von Arnim-Gesamtschule haben ihre Stadt
unter die Lupe genommen: Ist sie behindertengerecht? Wie sind öffentliche Einrichtungen bzw.
Einzelhandelsunternehmen auf Rollstuhlfahrer eingestellt? Wie verhalten sich Passanten? Wie verhält
sich das Verkaufspersonal? Das Projekt initiiert hat Peter Noffke, der in Langenfeld eine Häusliche
Krankenpflege betreibt und das Projekt „Alt werden in Langenfeld“ ins Leben gerufen hat.
Vorab: Das allgemeine Fazit der Schüler des Pädagogik-Leistungskurses lautete „Langenfeld steht gar
nicht so schlecht da“. Schon nach dem ersten Tag berichteten sechs Schülerinnen von ihren
Erfahrungen. Durchweg als sehr zuvorkommend und freundlich wurden die Passanten und auch die Kunden
in Geschäften wahrgenommen. Der Bitte, etwas aus dem hohen Regal zu holen, wurde nachgekommen.
„Allerdings sah es mit dem Personal etwas anders aus“, berichten die Schülerinnen, dass sie manchmal
vor den Regalen gestanden hätten, ohne dass jemand freiwillig seine Hilfe angeboten hat.
Als einer der Schülerinnen eine Wasserflasche hingefallen ist, wurde sie von einer Verkäuferin
„unhöflich bis mitleidig“ behandelt.
Probleme gab es auch bei der Begutachtung von Umkleidekabinen. Eine speziell als
„behindertengerecht“ ausgewiesene Kabine bewies sich als zu klein, in andere kamen die Schülerinnen
erst gar nicht hinein. „In einigen Geschäften hat das Personal aber alles möglich getan, um zu
helfen“, berichteten die Schülerinnen. So wurde etwa vorgeschlagen, das Oberteil mit nach Hause
zu nehmen, um es dort in aller Ruhe anzuprobieren. Des Öfteren stießen die Schüler auch auf zu enge
Gänge bzw. Kassenbereiche.
Auf ganz unterschiedliche Reaktionen stießen die Schüler bei Geschäften, die nur über Stufen zu
erreichen sind. Das reichte von patzigen Verkäuferinnen bis hin zu überaus zuvorkommenden Personal.
Begeistert berichtete die Gruppe, die auf der Richrather Straße unterwegs war. Dort wurden sie in
jedem getesteten Unternehmen freundlich bedient und wahrgenommen.
Auch das allgemeine Umfeld Langenfelds wurde inspiziert. Als ärgerlich empfanden es alle, dass
einige Ampelphasen so kurz sind, dass es unmöglich ist, bei Grün über die Straße zu kommen.
„Ich hatte gerade mal die Hälfte geschafft, als die Ampel wieder Rot wurde“, erzählt eine
der Schülerinnen.
Insgesamt sei man gut durch die Stadt gekommen – von Hindernissen wie zu steilen Rampen oder von
nicht genügend abgesenkten Bordsteinen abgesehen. Als behindertengerecht wurde auch die Stadtgalerie
sowie öffentliche Einrichtungen wie das Stadtbad, die Bibliothek und das Rathaus bewertet.
Das rücksichtsloseste Verhalten legte übrigens ein Autofahrer an den Tag – er sah den Rollstuhlfahrer
auf der Verkehrsinsel stehen und gab richtig gas, um noch vor dessen Überqueren seinen weg
fortsetzen zu können.
Die Ergebnisse stellen die Schüler ihren Kameraden vor. Sie haben Film- und Fotomaterial.
„es war sehr interessant, sich mal in einen Rollstuhlfahrer hineinzuversetzen“, nehmen die Schüler
viel aus dem Projekt mit. So erfuhren sie neben Hilfe auch Mitleid und Neugierde. „Wir danken
unserer Schule, dass sie uns dieses Projekt ermöglicht hat“, so die Schülerinnen.
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