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Zu alt oder zu teuer?
Wer mit 50 oder älter seinen Job verliert, hat schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt. Neben
Vorurteilen von Arbeitgebern verschlechtern aber oft auch die eigenen Lohnvorstellungen die Chance
auf eine neue Stelle. (von Thomas Gutmann)
Langenfeld/Monheim
„Sie sind mir zu alt und zu teuer.“ Christine Tabadros (58) war nicht lange arbeitslos, aber lang
genug, um diese Antwort oft genug zu hören. Im Januar dieses Jahres schließlich, im sechsten Monat
ohne Job, bewarb sich die examinierte Krankenschwester aus Berghausen auf eine Internet-Annonce des
Pflegediensts Noffke an der Friedhofstraße in Langenfeld. Und bekam eine Vollzeitstelle. Für Peter
Noffke (49) eine Tat, für die er sich nach eigenem Bekunden nicht selbst auf die Schulter zu
schlagen braucht: „Gestandene Persönlichkeiten mit Lebenserfahrung und entsprechendem
Einfühlungsvermögen können wir in der Pflege sehr gut gebrauchen.“
Während „alt“ für ihn anders als für manch anderen Arbeitgeber kein Ablehnungsgrund ist, sieht der
gelernte Krankenpfleger und selbständige Pflegedienst-Leiter den Aspekt „teuer“ differenziert:
„Man sollte als Unternehmer bei der Einstellung von Personal nicht immer ausschließlich auf
die Profitabilität achten“, meint Noffke, sagt aber auch: „Eine Pflegerin, die zum Beispiel im 24.
Berufsjahr bei der Diakonie entlassen wurde und von mir den ihrem Dienstalter gemäßen Lohn fordern
würde. Könnte ich nicht einstellen – ihr Einkommen wäre bei uns schlichtweg nicht zu erwirtschaften.“
„Zu teuer“ – ein Problem, das Wolfgang Mai, Leiter der Arbeitsagentur Langenfeld/Monheim bestätig:
„Viele ältere Arbeitnehmer, die gut verdienten, haben oft nur dann eine Chance auf einen neuen Job,
wenn sie Abstriche beim Gehalt machen.“ Allerdings gebe es noch andere Gründe, weshalb sich viele
über 50-Jährige auf dem Arbeitsmarkt schwer tun: Manche Unternehmer befürchteten offenbar
Effizienzeinbußen, weil sie Älteren weniger Leistungsfähigkeit und Flexibilität zutrauen und eine
höhere Krankheitsanfälligkeit unterstellen.
Ein Handicap, dem die Arbeitsagentur mit Vergünstigungen gegenzusteuern versucht: So kann sich,
wer einen über 55-jährigen Arbeitslosen einstellt, vom Arbeitgeber-Anteil zu den
Sozialversicherungsbeiträgen befreien lassen. Oder Lohnkostenzuschüsse bekommen, die höher sind
und längerer Arbeitslose. Für Noffke-Mitarbeiterin Christine Tabadros etwa hat die Agentur sechs
Monate lang die Hälfte des Lohns bezahlt.
Und Hartz IV? Die Aussicht, eigenes Vermögen zu verlieren hat laut Mai bei Arbeitslosen
die Bereitschaft zu Lohnabstrichen verstärkt. Kritisch sieht diese Entwicklung Wolfgang Zimmermann,
Vorsitzender des Verdi-Bezirks Rhein-Wupper: „Das hat einen Lohndrücker-Effekt mit dem Ergebnis,
dass wir irgendwann mal, working poors’ wie in den USA haben, Menschen, die zwei oder drei Jobs
ausüben müssen, um zu überleben.“
Deshalb halte seine Gewerkschaft am Prinzip der Tarifbindung fest, unterstreicht der 55-Jährige.
Aber: „Wir sind flexibler geworden“, unter anderem auch im Hinblick auf das Tarifgefüge nach
Alterstufen. So gilt etwa im neuen TV-öD, der am 1. Oktober den BAT für den öffentlichen Dienst
ablöst, das Prinzip ,Je älter, desto mehr’ nur noch eingeschränkt.
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